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Der Lohnabrechnungs-Decoder: Was bedeuten die Hieroglyphen auf deinem Zettel?

Eine Lupe liegt auf einer Lohnabrechnung, wichtige Zahlen sind markiert

Hand aufs Herz: Wenn du deine Lohnabrechnung bekommst, schaust du nur auf eine Zahl – ganz unten rechts. "Passt schon", denkst du. Doch gerade bei Schichtarbeitern mit komplexen Zuschlägen schleichen sich oft Fehler ein. Wir übersetzen das Beamtendeutsch in Klartext.

Eine deutsche Lohnabrechnung ist ein Meisterwerk der Bürokratie. Spalten über Spalten, Abkürzungen wie "Lfd. Bez." oder "St-frei". Wer hier nicht aufpasst, verschenkt Geld. Denn wenn die Personalabteilung einen Sonntagszuschlag versehentlich versteuert, merkst du das am Netto sofort – aber nur, wenn du weißt, wo du gucken musst.

💡 Die wichtigste Unterscheidung

Es gibt Gesamt-Brutto und Steuer-Brutto. Bei Büroangestellten ist das meist gleich. Bei dir nicht! Dein Steuer-Brutto muss niedriger sein, weil deine steuerfreien Schichtzuschläge dort abgezogen wurden. Ist es gleich hoch? Dann läuft was falsch!

1. Das kleine ABC der Abkürzungen

Bevor wir zu den Zuschlägen kommen, hier die Basics, die oben auf dem Zettel stehen:

  • LSt / SolZ / KiSt: Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer. Das sind die Steuern.
  • KV: Krankenversicherung (ca. 7,3% dein Anteil).
  • RV: Rentenversicherung (9,3% dein Anteil).
  • AV: Arbeitslosenversicherung (1,3% dein Anteil).
  • PV: Pflegeversicherung (je nach Kinderzahl unterschiedlich).
  • Zusatzbeitrag: Der individuelle Zusatzbeitrag deiner Krankenkasse (variiert stark!).

2. Der Schicht-Bereich: Hier liegt dein Geld

Jetzt wird es spannend. Im mittleren Teil der Abrechnung (den "Lohnarten") stehen deine Zulagen. Achte auf diese Kennzeichen:

L (Laufendes Entgelt) vs. E (Einmalbezug)

Dein normales Gehalt und monatliche Zuschläge sind "L". Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld sind oft "E" (Einmalbezüge) – diese werden steuerlich oft anders behandelt (Stichwort: Fünftelregelung oder Jahrestabelle).

St-frei / Sv-frei (Der Heilige Gral)

Hinter manchen Beträgen stehen kleine Buchstaben wie "F" (Frei) oder "P" (Pflicht).

  • SFN-Zuschläge (Sonntag, Feiertag, Nacht): Hier muss in der Spalte "Steuer" und "SV" (Sozialversicherung) idealerweise ein Kennzeichen für "Frei" stehen.
  • Erschwerniszulage / Schichtpauschale: Diese sind fast immer steuerpflichtig! Wundere dich nicht, wenn hiervon Abgaben abgehen.

3. Häufige Fehlerquellen bei Schichtarbeitern

Software ist geduldig, Menschen machen Fehler. Hierauf solltest du jeden Monat achten:

Fehler 1: Die "Phantom-Steuer"

Du hast am 1. Mai gearbeitet (150% steuerfrei). Auf der Abrechnung steht der Betrag aber unter "Gesamt-Brutto" UND ist voll in das "Steuer-Brutto" eingeflossen.
Folge: Du zahlst Steuern auf einen Betrag, der steuerfrei sein sollte.

Fehler 2: Falsche Grundlohn-Berechnung

Deine Zuschläge basieren auf deinem "Grundstundenlohn". Wenn du eine Gehaltserhöhung bekommen hast, vergessen manche Systeme, den Basis-Stundenlohn für die Zuschlagsberechnung anzupassen.
Check: Rechne: Summe Nachtzuschlag / Anzahl Nachtstunden. Kommt da 25% deines aktuellen Stundenlohns raus?

4. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Du kannst nicht jeden Paragraphen im Kopf haben. Aber du kannst Technik nutzen.

Der Verdienst Schicht Planer funktioniert wie eine zweite Meinung.

  • Schritt 1: Du trägst deine Schichten in die App ein (Dauert 2 Minuten).
  • Schritt 2: Die App berechnet nach offiziellen deutschen Steuerformeln dein Netto.
  • Schritt 3: Vergleiche das "App-Netto" mit dem "Abrechnungs-Netto".

Abweichung größer als ein paar Euro? Dann lohnt es sich, den Lohnzettel mit diesem Decoder hier Wort für Wort zu prüfen. Oft finden unsere Nutzer so vergessene Stunden oder falsch berechnete Feiertage.

5. Was ist das "Kumulierte Jahreswerte"?

Ganz unten auf der Abrechnung stehen Summen, die jeden Monat wachsen.

Achte auf "Steuerfreie Bezüge". Dieser Wert ist wichtig für deine Steuererklärung. Er erhöht zwar nicht dein zu versteuerndes Einkommen, unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt (er kann deinen Steuersatz für das restliche Einkommen leicht erhöhen). Gut zu wissen, damit man bei der Steuererklärung nicht überrascht wird.

Fazit: Dein Geld, deine Verantwortung

Die Personalabteilung hat hunderte Abrechnungen zu machen. Fehler passieren. Nimm deinen Lohnzettel nicht als "Gottgegeben" hin. Wer die Kürzel versteht und mit einer App gegenrechnet, ist klar im Vorteil.

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Finanz-Team SchichtWissen

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