Schichtarbeit ist kein „normaler“ Job – und das Finanzamt behandelt sie auch nicht so. Während viele Steuerzahler nur ihre Pendlerpauschale angeben, haben Schichtarbeiter durch ihre unregelmäßigen Arbeitszeiten, die spezifische Kleidung und die Belastung der Gesundheit Zugriff auf exklusive Absetzmöglichkeiten. In diesem Guide gehen wir über die Basics hinaus.
Es gibt Kosten, für die du keine Quittung brauchst, weil sie auf Pauschalen oder Schätzungen beruhen. Besonders bei der Reinigung von Berufsbekleidung und dem Verpflegungsmehraufwand liegt das meiste Geld versteckt.
1. Der „Mitternachts-Bonus“: Verpflegungsmehraufwand (VMA)
Die meisten denken, VMA gibt es nur für Dienstreisen. Falsch. Wenn du eine Nachtschicht arbeitest, die über zwei Kalendertage geht (z. B. Beginn Montag 22 Uhr, Ende Dienstag 6 Uhr), und du insgesamt mehr als 8 Stunden von deiner Wohnung fernbleibst, steht dir für diesen Zeitraum die kleine Verpflegungspauschale von 14,00 € zu.
Die Logik: Da die Schicht über Mitternacht geht, werden die Stunden der beiden Tage addiert. Da du mehr als 8 Stunden am Stück weg bist, greift die Pauschale für den Tag, an dem du den überwiegenden Teil gearbeitet hast. Bei 20 Nachtschichten im Monat sind das 280 € Werbungskosten zusätzlich, ohne dass du einen Cent ausgegeben hast.
2. Die Waschmaschinen-Pauschale: Wäsche absetzen
Trägst du im Dienst spezifische Kleidung (Uniform, Kasack, Schutzkleidung)? Dann kannst du die Reinigungskosten als Werbungskosten absetzen – auch wenn du zu Hause wäschst!
Du musst keine Stromrechnung vorlegen, sondern kannst die Kosten pro Waschgang schätzen (basierend auf Daten von Verbraucherverbänden):
- Buntwäsche (60°): ca. 0,76 € pro kg Trockenwäsche.
- Kochwäsche (90°): ca. 1,01 € pro kg Trockenwäsche.
- Trockner-Nutzung: ca. 0,55 € pro kg.
Rechnung: Bei 3 Maschinen Dienstkleidung pro Woche kommen über das Jahr schnell 250 € bis 400 € zusammen. Ein einfacher Beleg über die Anzahl der Waschgänge reicht dem Finanzamt meist aus.
3. Doppelte Haushaltsführung & Zweitwohnung
Viele Schichtarbeiter in der Industrie oder im Bergbau pendeln weit oder haben ein Zimmer am Arbeitsort, um zwischen den Schichten nicht 2 Stunden fahren zu müssen.
Wenn die Zweitwohnung aus beruflichen Gründen genutzt wird, kannst du bis zu 1.000 € pro Monat für die Miete sowie die Einrichtung und Heimfahrten absetzen. Das gilt auch, wenn du die Wohnung nur nutzt, um die Ruhezeiten zwischen Spät- und Frühschicht einzuhalten.
4. Arbeitsmittel: Smartphone und Apps absetzen
Das Finanzamt erkennt Arbeitsmittel an, wenn sie überwiegend beruflich genutzt werden. Dazu gehören Fachliteratur, aber auch Technik:
- Smartphone & Vertrag: Musst du für Einspring-Dienste erreichbar sein oder koordinierst du deine Schichten digital? Dann kannst du oft pauschal 20 % der Mobilfunkkosten (max. 20 € mtl.) als Werbungskosten ansetzen.
- Software & Apps: Nutzt du kostenpflichtige Tools zur Schichtplanung oder Gehaltsberechnung (wie z. B. unseren Verdienst Planer), um deine steuerfreien Zuschläge zu prüfen? Diese Kosten sind zu 100 % absetzbar.
Um dem Finanzamt die Anzahl deiner Nachtschichten glaubhaft zu machen, hilft ein digitaler Auszug aus deiner Planungs-App oft besser als handgeschriebene Zettel.
5. Außergewöhnliche Belastungen durch Schichtarbeit
Führt die Schichtarbeit zu nachweisbaren gesundheitlichen Problemen (Schlafstörungen, Rückenprobleme), sind die Kosten für Behandlungen, die nicht von der Kasse übernommen werden (z. B. Osteopathie, spezielle Matratzen auf ärztliches Attest), als außergewöhnliche Belastungen absetzbar, sobald sie die „zumutbare Belastungsgrenze“ überschreiten.
Zusammenfassung: Deine Checkliste
Um das Finanzamt an deinen harten Schichten zu beteiligen, solltest du folgende Punkte in deine Steuererklärung aufnehmen:
- Anzahl der Nachtschichten für den VMA-Check (Tipp: Exportiere die Daten direkt aus deinem Verdienst Planer).
- Dokumentation der Waschgänge für Dienstkleidung (kg-Anzahl).
- Alle Belege für Arbeitsmittel (Lichtwecker, Rollos, Fachliteratur).
- Gewerkschaftsbeiträge und Fortbildungskosten.